Erlebnis ZweiTälerSteig – sportliche Wanderung zum Genießen

Dirk Glembin und Lisa Peltz berichten von ihrer großen Rundwanderung um das ZweiTälerLand

Lisa-Dirk-2012-Zweitälersteig
Lisa-Dirk-2012-Zweitälersteig

Der neue ZweiTälerSteig macht neugierig und 7 Wanderer fanden in der Absicht zusammen, gemeinsam den Weg in seiner gesamten Länge zu erwandern. Im Mai 2012 ging es dann los, in einem Monat, in dem im Tal der Frühling schon weit fortgeschritten ist, und in dem der Frühling oben auf den Bergen gerade erst beginnt.

 

Die erste Etappe (06.Mai)

Treffpunkt der Gruppe ist der Bahnhof des hübschen kleinen Städtchens Waldkirch. Der Weg führt durch die Ortsmitte zum Stadtrainsee. Von hier aus geht es dann aufwärts entlang des Waldlehrpfades bis zu dem Eingang des Baumkronenweges, ein Klettergarten, der besonders für Kinder ein wunderbares Ziel darstellt. Hier beginnt der Hochwald, der erst kurz vor dem Gipfelplateau des Kandels endet. Am Wegrand blühen Waldmeister, Veilchen und Taubnessel. Weiter oben auf dem Plateau stehen die Annemonen noch in voller Blüte. Ginster beginnt schon in Gelb zu erstrahlen. Das helle Buchenlaub steht in einem wundervollen Kontrast zu den dunklen Nadelbäumen.

Bei der Schwarzenberghütte (610 m) macht die Gruppe eine kurze Rast und läuft dann bald über schmale Pfade weiter zügig hinauf zur Thomashütte (1070 m). Hier auf der Felsenkante eröffnet sich ein weiter Blick in die Landschaft. Blumenkohlwolken türmen sich gewaltig auf, über dem noch schneebedeckten Feldberg braut sich ein Unwetter zusammen, dessen Ausläufer die Gruppe mit ein paar Tropfen erwischt. Über Felsblöcke geht es nun weiter hinauf, zuletzt ein kurzer, aber heftiger Anstieg zur Gipfelpyramide des Kandels (1241 m). Dann noch einige Meter hinab zum Bergasthaus Kandelhof. Hier erholt sich die Gruppe bei Kaffee und Kuchen in gemütlich warmer Stube. Draußen bricht ein Unwetter mit Starkregen und orkanartigen Böen los, die stimmungsvolle Voraussetzung für einen urigen Hüttenabend.

Diese erste Etappe ist in der Wegführung eine gelungene Ouvertüre zu den nachfolgenden Etappen.

 

Die zweite Etappe (07.Mai)

Am Morgen türmen sich dunkle Wolken, aus den Wäldern steigt weißer Nebel auf. Die Bergkette im Osten erscheint als Scherenschnitt, darüber ein schmaler, sonnenheller Silberstreifen. Ab und zu reißt ein Wolkenloch auf, dann zeigt sich ein Teil der Landschaft vor uns im hellen Sonnenschein. Die einzelnen Laubbäume hier oben auf dem Kandel sind bis auf einen beginnenden grünen Schimmer noch kahl. Bald führt der Weg in den weitläufigen Plattenwald. Beim Plattensee geht es aus dem Wald hinaus. Die Wiesen glänzen noch feucht im Sonnenlicht. In der Nähe rotieren die Flügel die mächtigen Windkraftanlagen.

Bald wird der Langeckerhof erreicht, einer der wenigen Schwarzwaldhöfe, die noch extreme Steillagen bewirtschaften. Hier beginnt der Bannwald des Zweribachtales, wildromantische Natur. Moos überzieht Felsblöcke und gestürzte Baumriesen. Der Weg führt- teilweise über rutschige Felsen- steil hinab. Trittsicherheit ist gefordert. In 2 tosenden Wässerfällen stürzt der Zweribach hinab, Stahltreppen und -stege führen nahe an die Wasserfälle heran. Dann wird der Rastplatz auf der idyllisch gelegene Lichtung des ehemaligen Brunnenhofes erreicht: Ein Weiher in einer Blumenwiese, blühende Apfelbäume und am Bach leuchten die gelben Blüten der Sumpfdotterblume. Der Blick wandert hinüber auf die Gegenseite des Simonwäldertales. Oben auf der Kante unser nächstes Ziel, die Hintereckhütte.

Nach einer Rast geht es weniger steil weiter hinab ins Simonswäldertal. Artenreiche Wiesen säumen nun den Weg: Weiß blühende Schafsgarbe, gelb blühender Hahnenfuß, und es zeigt sich, wenn auch selten, das Knabenkraut. Auf einer schmalen Brücke wird die wilde Gutach überquert. Bald ist der Einstieg in die Teichschlucht erreicht. Auch hier ein Bannwald, aber etwas lichter, am Wegrand Veilchen und weiß blühender Klee. Der Teichbach rauscht in Kaskaden zu Tal. Bei einem gewaltigen Felsblock wird der Teichbach verlassen, eine Geröllhalde überquert und weiter geht es auf einem Saumpfad, der hier und da einen Blick in das schon tief unten liegende Simonswäldertal erlaubt. Dann wird die Straße nach Gütenbach überquert, und weiter- nun sanfter bergauf- geht es auf breitem Waldweg. Zuletzt noch ein kurzer steiler Anstieg, und die Hintereckhütte ist erreicht.

Nach einer zweiten Rast führt der Wildsauweg durch dunklen Wald bergauf und bergab zum Spitzen Stein mit seiner herrlichen Aussicht in das weitläufige Simonswäldertal. Ein wenig unterhalb, bei dem unteren Spitzen Stein- ein ehemaliger Kultort der Kelten- wird der für den Zweitälersteig neu angelegte Pfad erreicht. Extrem steil über glitschige Felsen schlängelt sich dieser schmale Pfad durch den Wald zur Saulache hinab. Mitten im Schwarzwald eine Wegstrecke mit alpinen Anforderungen, hohe Konzentration ist erforderlich. Nach der Saulache wird es nahezu gemütlich. Bald ist das Gasthaus „Engel“ erreicht, und nach weiteren 6 Kilometern durch Wiesen entlang der Gutach ist die Gruppe an dem Etappenziel Simonswald angekommen.

 

Die dritte Etappe (08.Mai)

Ein sonniger Morgen begrüßt die Gruppe. Leicht ansteigend geht es zu einem Saumweg mit Blick zurück auf Simonswald. Dann ein schmaler Pfad steil hinauf, der Kondition und Schweiß erfordert. Schließlich wird im Wald der Kreuzweg erreicht. Jetzt geht es in mäßiger Steigung von Station zu Station weiter aufwärts, bis die Graskuppe des Hörnleberges (907 m) erreicht ist. Oben thront die Wallfahrtskirche zu „Unserer Lieben Frau vom Hörnleberg“. Die für Gottesdienste aufgestellten Bankreihen laden zum Verweilen ein. Das ganze Panorama des nördlichen Schwarzwalds breitet sich zu Füßen des Betrachters aus. Auszumachen ist der Brandenkopf und- weiter entfernt, schon im Dunst verschwindend- die Hornisgrinde, im Westen die Silhouette der Vogesen. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Elz, der Höhenrücken vom Heidburg-Pass bis hin zu den Windkraftanlagen in Freiamt mit der für den Schwarzwald so typischen Landschaft: Einzelne Gehöfte, Wiesen und Wald.

Im ständigen Auf und Ab geht es nun durch Nadelwald weiter. Das Braunhörnle (1134 m) wird überquert und unterhalb des Rohrhardsberg-Gipfels wird der Gasthof „Schwedenschanze“ (1130 m) erreicht. Hier lockt eine Rast mit Blick weit hinunter ins Tal. Die Aufstiege sind geschafft, jetzt geht nur noch abwärts. Zuerst durch Wiesen, dann wieder Wald. Die unauffällige Passhöhe „Am Schlagbaum“ wird passiert. Sie erinnert an die ehemalige Grenze zwischen Baden und Württemberg. Mit der Kapfhütte wird wieder ein exponierter Aussichtspunkt erreicht, der zu einer letzten Rast einlädt. Über die Elz und die dahinter liegende Hügelkette hinweg reicht der Blick bis ins Kinzigtal und zu den Bergen des Nordschwarzwaldes. Noch ein Wegstück steil hinab und die Gruppe erreicht das Etappenziel Oberprechtal.

 

Die vierte Etappe (09.Mai)

Regenwolken hängen tief. Die Elz wird überquert, dann geht es durch den Bergwald bergan. Nachdem der größere Teil des Aufstiegs geschafft ist, fängt es an zu regnen. Auf breitem Waldweg wird schließlich der Huberfelsen erreicht. Keiner hat Verlangen im Regen und bei trüber Sicht auf den Felsen zu steigen, der sich schiffsförmig aus dem Wald erhebt. Also geht es vorbei an dem Felsen weiter zu dem höchsten Punkt dieser Etappe, der Prechtaler Schanze (836 m). Ein Mauerrest mit Scharten ist noch zu sehen. Allmählich lässt der Regen nach, und das Interesse an der Umgebung nimmt spürbar zu. Das sehenswerte Pfauenkreuz, errichtet auf einer buschigen Bergkuppe, wird erreicht. Dann geht es hinunter zum Gasthaus „Landwassereck“.

Der Regen hört endlich auf. Die Sonne tritt hervor. Gleich nimmt die Umgebung mit ihren vielen Ausblicken gefangen. Die Landschaft erscheint viel lieblicher als auf den vorherigen Etappen. Wellenförmig im sanften Auf und Ab erstreckt sich das Weideland, Kühe grasen, einzelne Höfe ducken sich unter ihren gewaltigen Dächern. Der Heidburg-Pass wird gequert, die Heidburg erreicht. Die Heidburg, heute nahezu verschwunden, ist eine stimmungsvoll gelegene Waldwiese. Am Biereck vorbei geht es weiter auf breitem Waldweg. Die hohen Bäume links und rechts des Weges, das geschlossene Blätterdach über den Weg zaubern eine nahezu andächtige Stimmung. Die Sonne zeichnet ein Muster aus Licht und Schatten. Fast lautlos ist die Natur, nur der Gesang der Vögel unterbricht die Stille. Schließlich wird das Etappenziel Höhenhäuser erreicht.

 

Die fünfte Etappe (10.Mai)

Diese letzte Etappe ist im Vergleich zu den vorangegangenen fast nur noch ein Spaziergang. Es geht überwiegend bergab. Die Sonne scheint, fast wolkenloser, blauer Himmel. Wald und Wiese im Wechsel, Blumen am Waldrand, Blumen in den Wiesen. Die Blätter der Bäume, die satten Wiesen, alles glänzt im Sonnenschein. Vorbei geht es an der Schutterquelle, die 1904 gefasst wurde. In einiger Entfernung zeigt sich der Hünersedel-Turm. Im Gscheid lockt ein Biergartentisch unter einer blühenden Kastanie. Je weiter man nun nach unten kommt, desto mächtiger scheinen die Berge emporzuwachsen. Immer wieder grüßt der Kandel. Bei Hochtann kann man noch den alten Grenzverlauf – ehemals Grenze zu Vorderösterreich- anhand der vielen Grenzsteine aus dem Jahre 1764 nachvollziehen. Die Kastelburg erscheint im Blick. Von der Burgmauer aus sieht man direkt auf das unterhalb liegende Waldkirch mit seinem mittelalterlichen Stadtkern. Nun schließt sich der Kreis. Unten in der Stadt flimmert schwüle Hitze, ein Gewitter bahnt sich an.

 

Resümee

Die optimale Beschilderung wurde von den Ortsgruppen im Elz- und Simonswäldertal sowie von den Wanderfreunden Biederbach erstellt. Sie lässt keine Wünsche offen. Der Zweitälersteig ist in seiner Vielfältigkeit beeindruckend: Er führt über Berg und Tal durch einsame Wälder und dann wieder durch liebliches Kulturland. Rauschende Gebirgsbäche wechseln mit fast ruhig dahin fließenden Gewässern, Bannwälder lassen ahnen, wie die Natur einmal ausgesehen hat, bevor der Mensch eingriff. Manchmal ist der Weg steil, so steil, wie man ihn eher im Hochgebirge vermutet. Immer wieder berauschend sind die vielen Ausblicke in das Bergland und in die Rheinebene vor der Kulisse der Vogesen.